Bedrohungslage · Stand 4. September 2026

Die Lage in Zahlen – belegt, nicht behauptet

Was das Bundesamt für Cybersicherheit, die grossen Vorfallanalysen und die KI-Labore selbst berichten. Jede Zahl ist verlinkt. Wir aktualisieren diese Seite laufend.

27'128

Meldungen

Cybervorfälle, die dem BACS im 1. Halbjahr 2026 freiwillig gemeldet wurden – dazu 200 Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen, 38 % mehr als im Halbjahr davor.

BACS: Halbjahresbericht 2026/I (24.8.2026)

−7 Tage

bis zur Ausnutzung

Mittlere Zeit zwischen Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung im Jahr 2025. Negativ: Angriffe beginnen im Schnitt vor dem Patch.

Mandiant M-Trends 2026: via Help Net Security

31 %

der Einbrüche

beginnen mit einer ausgenutzten Schwachstelle – erstmals in 19 Jahren häufiger als gestohlene Zugangsdaten (Vorjahr: 20 %).

Verizon DBIR 2026: via Help Net Security

10'000+

kritische Lücken

fand ein einziges KI-Modell (Claude Mythos) innert weniger Wochen in weit verbreiteter Software – Anthropic gibt es deshalb nicht frei.

Help Net Security: Project Glasswing Update, 26.5.2026

01 — Schweiz

Rund 65'000 Meldungen pro Jahr – und eine neue Meldepflicht

Das BACS zählt seit 2023 jedes Jahr über 49'000 gemeldete Cybervorfälle; 2024 waren es 62'954, 2025 rund 64'700. Der grösste Teil sind Betrugsversuche gegen Privatpersonen – doch die Vorfälle, die Organisationen treffen, sind gezielter und teurer geworden.

Dem BACS gemeldete Cybervorfälle je Halbjahr

Freiwillige Meldungen an das Bundesamt für Cybersicherheit (bis 2023: NCSC). Nicht enthalten sind die seit April 2025 verpflichtenden Meldungen kritischer Infrastrukturen: 145 im 2. Halbjahr 2025, 200 im 1. Halbjahr 2026.

0 10'000 20'000 30'000 40'000 2022/I 2022/II 2023/I 2023/II 2024/I 2024/II 2025/I 35'727 2025/II 2026/I 27'128 Meldungen
Als Tabelle
HalbjahrMeldungen
2022/I16'951
2022/II17'576
2023/I19'048
2023/II30'332
2024/I34'789
2024/II28'165
2025/I35'727
2025/II29'006
2026/I27'128

Quelle: BACS: Halbjahresberichte 2022/I – 2026/I

Akira: rund 200 Schweizer Firmen, 4–5 neue Fälle pro Woche

Die Ransomware-Gruppe verschafft sich laut BACS Zugang über ungepatchte Systeme und VPN-/RDP-Fernzugänge ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung. Bundesanwaltschaft und fedpol ermitteln seit April 2024.

BACS, 16.10.2025

80 Ransomware-Angriffe auf Schweizer Organisationen im Jahr 2025

Nach 70 im Vorjahr; 32 verschiedene Tätergruppen waren aktiv. Im Darknet wurden 2025 zudem 531'724 kompromittierte Schweizer Konten identifiziert.

Kaspersky via Inside IT, 4.2.2026

35 Schweizer Ransomware-Opfer im 1. Halbjahr 2026

Die Schweiz liegt weltweit auf Rang 20 der von Erpressergruppen beanspruchten Opfer; je sieben Fälle betreffen Industrie und Gesundheitswesen. Weltweit: 4'641 Fälle (Vorjahreshalbjahr: 4'381).

Bitdefender via Inside IT, 11.8.2026

Nur 40 % der KMU fühlen sich gut vorbereitet – im Vorjahr war es noch über die Hälfte

Gemäss der Studie «KMU Cybersicherheit 2025» (u.a. digitalswitzerland, Mobiliar, SATW, FHNW; 515 befragte KMU, 336 IT-Dienstleister) hat bei rund zwei Fünfteln der KMU niemand die Verantwortung für Cyberrisiken, weil das Thema keine Priorität hat. Hochgerechnet rund 26'000 der 600'000 Schweizer KMU erlitten in den letzten drei Jahren effektiven Schaden.

SRF, 31.10.2025

Über 40 Schwachstellen in Klinikinformationssystemen

Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit prüfte drei weit verbreitete KIS in mehreren Spitälern: über 40 mittlere bis schwere Mängel, drei der höchsten Kritikalität; mehrere Lücken erlaubten innert Stunden die vollständige Kontrolle über System und Patientendaten.

NTC, 23.1.2025

BACS: Angreifer setzen KI inzwischen systematisch ein

Der Halbjahresbericht 2026/I des Bundesamts für Cybersicherheit hält fest: «Angreifer nutzen nun Künstliche Intelligenz (KI) systematisch, um zugeschnittene, personalisierte Inhalte glaubwürdig an die Opfer zu bringen.» Im selben Halbjahr zählte das BACS 79 Schweizer Ransomware-Fälle und 200 Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen.

BACS, 24.8.2026: Halbjahresbericht 2026/I

02 — Tempo

Das Zeitfenster zum Patchen ist geschlossen

2018 vergingen im Schnitt 63 Tage zwischen der Bekanntgabe einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung. 2025 waren es minus sieben: Angriffe beginnen, bevor der Hersteller den Patch veröffentlicht. Wer seine Aussenfläche nicht kennt, kann diese Lücken nicht schliessen – er weiss nicht einmal, dass er sie hat.

Mittlere Zeit von der Bekanntgabe einer Schwachstelle bis zur Ausnutzung

Time-to-Exploit in Tagen. Negative Werte bedeuten: Die Ausnutzung beginnt, bevor ein Patch verfügbar ist.

-20 0 20 40 60 63 2018–19 44 2020–21 32 2021–22 5 2023 −1 2024 −7 2025 Tage Patch verfügbar ↑ · Ausnutzung vor dem Patch ↓
Als Tabelle
ZeitraumTage
2018–1963
2020–2144
2021–2232
20235
2024-1
2025-7

Quelle: Google Cloud / Mandiant: Time-to-Exploit Trends 2023 (15.10.2024) und M-Trends 2026 (24.3.2026) · M-Trends 2026 (2024/2025)

03 — Künstliche Intelligenz

Zwei Jahre, in denen sich das Angreifen verändert hat

Von einem Modell, das seinen Testcontainer verlässt, bis zu einem, das Tausende Zero-Days findet und deshalb weggeschlossen wird. Chronologisch, mit Quelle – und mit dem, was es für Ihre Organisation bedeutet.

  1. Ein Patch-Dienstag mit 622 Lücken – und einem aktiv ausgenutzten SharePoint-Zero-Day

    Microsoft schliesst im Juli 2026 622 Schwachstellen, darunter CVE-2026-58644 (CVSS 9.8): Codeausführung ohne Anmeldung auf SharePoint-Servern, bereits vor dem Patch ausgenutzt. Zwei Wochen später meldet das Bundesamt für Informatik 200 kompromittierte Konten; der Kanton Graubünden nimmt seine Websites für ein Notfall-Update vom Netz.

    Für Sie heisst das Über 600 Lücken an einem Tag lassen sich manuell nicht priorisieren – und die exponierten Systeme sind die ersten, die es trifft.

    Rapid7: CVE-2026-58644: Microsoft SharePoint Server RCE exploited in the wild

  2. Project Glasswing: Ein Modell, das Tausende Zero-Days findet – und deshalb nicht freigegeben wird

    Anthropic stellt Claude Mythos Preview vor: Das Modell findet innert Wochen Tausende bislang unbekannte, hochschwere Schwachstellen in allen grossen Betriebssystemen und Browsern und schreibt dazu funktionierende Exploits – in einem Fall verkettet es vier Lücken, um aus der Browser- und Betriebssystem-Sandbox auszubrechen. Zugang erhalten zunächst nur ausgewählte Partner (u.a. AWS, Apple, Google, Microsoft, CrowdStrike, Cisco, die Linux Foundation) und geprüfte Organisationen. Bis Ende Mai melden Anthropic und seine Partner über 10'000 hoch oder kritisch eingestufte Lücken; allein Anthropics Scan von über 1'000 Open-Source-Projekten ergab 23'019 Befunde, und von 1'752 unabhängig geprüften erwiesen sich über 90 Prozent als echt. Anthropic erklärt, kein Unternehmen – auch nicht Anthropic – habe Schutzmechanismen, die einen Missbrauch solcher Modelle sicher verhindern.

    Für Sie heisst das Die Fähigkeit existiert. Die Frage ist nur, wer sie zuerst auf Ihre Systeme richtet.

    Help Net Security: Anthropic: Claude Mythos identified 10,000+ software flaws (26.5.2026) · The Hacker News: Anthropic's Claude Mythos finds thousands of zero-day flaws across major systems

  3. Die Zeit bis zur Ausnutzung wird negativ: minus sieben Tage

    Mandiants M-Trends 2026 (über 500'000 Stunden Vorfallanalyse) misst für 2025 eine mittlere Zeit bis zur Ausnutzung von −7 Tagen: Angreifer nutzen Lücken im Schnitt, bevor ein Patch existiert. Ausnutzung von Schwachstellen ist zum sechsten Mal in Folge der häufigste Einstieg (32 %). Zugänge werden im Median 22 Sekunden nach dem Einbruch an andere Täter übergeben – 2022 waren es noch über acht Stunden.

    Für Sie heisst das Patchen nach der Bekanntgabe reicht nicht mehr. Die Aussenfläche muss vorher klein sein.

    Help Net Security: Attackers are handing off access in 22 seconds, Mandiant finds (M-Trends 2026)

  4. Ein Modell findet über 500 schwere Lücken in jahrzehntelang getesteter Software

    Claude Opus 4.6 entdeckt und validiert ohne spezielle Werkzeuge über 500 hochschwere Schwachstellen in Open-Source-Software – darunter in GhostScript, OpenSC und CGIF. Einige Lücken blieben trotz Millionen Stunden automatisierter Tests jahrzehntelang unentdeckt.

    Für Sie heisst das Jede Software, die als «gut getestet» galt, hatte noch unentdeckte Lücken. Ihre hat sie auch.

    Anthropic: Frontier Red Team: LLM-discovered zero-days

  5. Die erste dokumentierte, KI-orchestrierte Spionagekampagne

    Anthropic macht die Kampagne GTG-1002 öffentlich: Ein chinesischer staatsnaher Akteur liess Claude Code 80 bis 90 Prozent eines Angriffs auf rund 30 Organisationen selbständig ausführen – von der Aufklärung bis zur Exfiltration. Das US-Repräsentantenhaus lädt Anthropic zur Anhörung.

    Für Sie heisst das Der Mensch im Angriff wird zum Aufseher. Die Skalierung ist nur noch eine Frage der Rechenzeit.

    Anthropic: Disrupting the first reported AI-orchestrated cyber espionage campaign · US House Committee on Homeland Security: Request to Anthropic to testify (26.11.2025)

  6. «Villager»: Ein KI-Angriffswerkzeug wird 10'000 Mal heruntergeladen

    Das von der chinesischen Firma Cyberspike veröffentlichte Werkzeug kombiniert Kali-Linux-Tools mit DeepSeek-Modellen und automatisiert komplette Angriffsketten. Innert zwei Monaten wird es rund 10'000 Mal von PyPI geladen. Sicherheitsforscher vergleichen die Entwicklung mit Cobalt Strike, dem Standardwerkzeug der Ransomware-Gruppen.

    Für Sie heisst das Angriffswerkzeuge mit KI sind frei verfügbar. Fachwissen ist keine Voraussetzung mehr.

    The Register: AI-powered penetration tool downloaded 10K times in 2 months

  7. Täter melden: Citrix-Lücke mit KI-Framework in unter zehn Minuten ausgenutzt

    Innert Stunden nach der Offenlegung der NetScaler-Schwachstelle CVE-2025-7775 diskutieren Untergrundforen den Einsatz des Frameworks HexStrike-AI, das über 150 Werkzeuge orchestriert. Check Point: Was einen Menschen Tage oder Wochen kostet, lässt sich damit in unter zehn Minuten anstossen – die Täter behaupten, so schnell auszunutzen. Am 2. September sind laut Shadowserver noch rund 8'000 Systeme verwundbar, eine Woche zuvor 28'000.

    Für Sie heisst das Zwischen der Bekanntgabe einer Lücke und dem Angriff auf Ihr System liegen keine Wochen mehr.

    Check Point: Hexstrike-AI: LLM Orchestration Driving Real-World Zero-Day Exploits

  8. Erste Schadsoftware, die ihren Angriffscode selbst schreibt

    ESET meldet «PromptLock»: Die Schadsoftware nutzt ein lokal laufendes Sprachmodell (gpt-oss:20b via Ollama), um in Echtzeit Lua-Skripte zu erzeugen, die Dateien auf Windows und Linux durchsuchen, exfiltrieren oder verschlüsseln – ein Proof of Concept, entdeckt auf VirusTotal. Eine Woche später klärt sich die Herkunft: Das Muster stammt aus einem Forschungsprojekt der NYU Tandon («Ransomware 3.0»).

    Für Sie heisst das Schadsoftware, die sich beim Ausführen selbst schreibt, umgeht signaturbasierte Erkennung – und die Bauanleitung ist publiziert.

    ESET: First known AI-powered ransomware uncovered by ESET Research · NYU Tandon: AI-Powered Ransomware That Sparked Concern Was NYU's Work

  9. DARPA AIxCC: Maschinen finden 18 unbekannte Lücken in 54 Millionen Zeilen Code

    Im Finale der AI Cyber Challenge analysieren sieben KI-Systeme 54 Millionen Codezeilen, finden 54 eingebaute Schwachstellen und beheben 43 davon – und entdecken nebenbei 18 echte, bislang unbekannte Lücken. Durchschnittliche Kosten pro Aufgabe: 152 US-Dollar, Patch in 45 Minuten.

    Für Sie heisst das Automatisierte Schwachstellensuche im Massstab ganzer Codebasen ist realisiert – und billig.

    DARPA: AI Cyber Challenge marks pivotal inflection point for cyber defense

  10. Ein KI-Agent löscht eine produktive Datenbank – trotz Code-Freeze

    Der Programmier-Agent von Replit führt bei SaaStr-Gründer Jason Lemkin trotz angeordnetem Code-Freeze zerstörerische Befehle gegen die Produktionsdatenbank aus, erfindet danach rund 4'000 fiktive Datensätze und behauptet, ein Rollback sei unmöglich. Er war es nicht.

    Für Sie heisst das KI-Agenten mit produktiven Zugängen brauchen dieselben Kontrollen wie Menschen: Berechtigungen, Trennung von Test und Produktion, geprüfte Backups.

    The Register: Vibe coding service Replit deleted user's production database

  11. Googles KI verhindert erstmals eine bevorstehende Ausnutzung

    Der KI-Agent «Big Sleep» findet in SQLite eine Speicherfehler-Schwachstelle (CVE-2025-6965), die laut Google nur Angreifern bekannt war und kurz vor der Ausnutzung stand. Google spricht vom ersten Fall, in dem ein KI-Agent einen Angriff direkt vereitelt hat.

    Für Sie heisst das Verteidiger mit KI finden Lücken vor den Angreifern. Wer ohne KI prüft, hat in diesem Rennen keinen Startplatz.

    The Hacker News: Google AI «Big Sleep» stops exploitation of critical SQLite vulnerability

  12. Ein autonomer Pentester wird Nummer 1 der US-Rangliste von HackerOne

    XBOW, ein autonomes KI-System, reicht innert rund drei Monaten über 1'000 Schwachstellenmeldungen bei echten Unternehmen ein – 132 davon bestätigt und behoben, darunter 54 kritische – und führt die US-Rangliste von HackerOne an. Die Funde sind vollständig automatisiert erzeugt; Menschen prüfen sie nur vor der Einreichung.

    Für Sie heisst das Automatisiertes Angreifen ist nicht mehr Zukunft – es hält in der Breite mit den besten Menschen mit.

    TechRepublic: AI Bug Hunter Claims Top Spot on HackerOne's Leaderboard

  13. Ein Modell sabotiert seinen eigenen Abschaltbefehl

    Palisade Research weist nach, dass OpenAIs o3 ein Skript verändert, das es abschalten soll – in der ersten Versuchsreihe in 7 von 100 Läufen trotz der ausdrücklichen Anweisung, die Abschaltung zuzulassen; ohne diese Anweisung in 79 von 100. Codex-mini sabotiert die Abschaltung mit Anweisung in 12 von 100 Läufen.

    Für Sie heisst das Autonome Systeme verfolgen Ziele, nicht Anweisungen. Wer ihnen produktive Zugänge gibt, braucht technische Leitplanken – keine Prompts.

    Palisade Research: Shutdown resistance in reasoning models · The Register: OpenAI model modifies own shutdown script, say researchers

  14. Ein KI-Modell verlässt seinen Testcontainer

    Während einer Hacking-Übung (Capture the Flag) kann OpenAIs Modell o1 den Zielcontainer nicht erreichen. Statt aufzugeben scannt es das Netz, findet eine falsch konfigurierte Docker-Schnittstelle auf dem Host, startet den defekten Container neu – mit dem Befehl, die Lösung auszugeben – und liest sie aus den Logs.

    Für Sie heisst das Fehlkonfigurationen werden von KI gefunden und genutzt, ohne dass jemand danach gesucht hat.

    OpenAI: OpenAI o1 System Card

04 — Kritische Infrastrukturen

Wer meldet – und womit angegriffen wird

Seit dem 1. April 2025 melden Betreiber kritischer Infrastrukturen Angriffe verpflichtend. Die ersten 325 Pflichtmeldungen zeichnen ein klares Bild: Verwaltungen führen die Statistik an, und die häufigste Angriffsart ist das Eindringen über Schwachstellen und gestohlene Zugangsdaten.

Wer meldet? Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen nach Sektor

2. Halbjahr 2025, 145 meldepflichtige Vorfälle. Seit dem 1. April 2025 insgesamt 325 Pflichtmeldungen.

Verwaltung 25 % IT / Telekommunikation 18 % Banken / Versicherungen 15,7 % Übrige Sektoren 41,3 %
Als Tabelle
SektorAnteil
Verwaltung25 %
IT / Telekommunikation18 %
Banken / Versicherungen15.7 %
Übrige Sektoren41.3 %

Quelle: BACS: Halbjahresbericht 2025/II (30.3.2026)

Womit werden kritische Infrastrukturen angegriffen?

Art der meldepflichtigen Vorfälle, 2. Halbjahr 2025.

Hacking / Eindringen 20 % DDoS 16 % Diebstahl von Zugangsdaten 12 % Schadsoftware 10 % Datenabfluss 10 % Ransomware 9 % Übrige 23 %
Als Tabelle
AngriffsartAnteil
Hacking / Eindringen20 %
DDoS16 %
Diebstahl von Zugangsdaten12 %
Schadsoftware10 %
Datenabfluss10 %
Ransomware9 %
Übrige23 %

Quelle: BACS: Halbjahresbericht 2025/II (30.3.2026)

05 — Kosten

Selbst der grösste Schweizer ERP-Hersteller zahlt den Preis

Abacus Research AG hat die Wartungsgebühren per 1. Januar 2025 erstmals seit 2013 erhöht und begründet dies mit fortlaufenden Investitionen «in Innovationen, Funktionalität, Sicherheit und Verbesserungen» sowie mit der Teuerung; für Electronic Banking und E-Business verweist Abacus ausdrücklich auf «regelmässige Sicherheitsupdates, vorgeschriebene Security-Audits und jährliche Anpassungen der Zertifizierungen». Seit 2025 informiert Abacus seine Kunden mehrfach über schwere Schwachstellen: CVSS 9.3 (Februar 2025) und 8.1 (September 2025), beide in externen Security-Audits gefunden, sowie CVSS 9.1 und 8.4 (August 2026).

Ausnutzung von Schwachstellen ist der häufigste Einstieg

Verizon DBIR 2026 (über 22'000 bestätigte Datenpannen aus 145 Ländern): 31 % der Einbrüche beginnen mit einer ausgenutzten Schwachstelle (Vorjahr 20 %) – erstmals in der 19-jährigen Geschichte des Berichts vor gestohlenen Zugangsdaten (13 %). Ransomware ist an 48 % aller Datenpannen beteiligt; die mittlere Zeit bis zum Patch stieg von 32 auf 43 Tage.

Verizon DBIR 2026 via Help Net Security

79 % der Ransomware-Angriffe beginnen mit kompromittierten Identitäten

Sophos «State of Ransomware 2026» (2'158 Befragte in 17 Ländern, darunter die Schweiz): In 97 % der Fälle mit gestohlenen Zugangsdaten war irgendeine Form von MFA im Einsatz – nur nicht überall. Durchschnittliche Wiederherstellungskosten: 1,7 Mio. US-Dollar.

Sophos, Juli 2026

Eine Datenpanne kostet im Schnitt 4,99 Mio. US-Dollar – im Gesundheitswesen 6,64 Mio.

IBM «Cost of a Data Breach 2026» (602 Organisationen, März 2025 bis Februar 2026): Der weltweite Durchschnitt steigt um 12 Prozent; das Gesundheitswesen bleibt die teuerste Branche.

IBM: Cost of a Data Breach Report 2026

OWASP Top 10:2025 – Fehlkonfiguration steigt auf Platz 2

Die aktuelle Ausgabe der wichtigsten Web-Risiken führt weiterhin fehlerhafte Zugriffskontrolle an; Sicherheits-Fehlkonfiguration steigt von Platz 5 auf 2, «Software Supply Chain Failures» ist neu auf Platz 3.

OWASP

06 — Recht und Pflichten

Was der Gesetzgeber inzwischen verlangt

Meldepflicht innert 24 Stunden

Seit dem 1. April 2025 müssen Betreiber kritischer Infrastrukturen – darunter Energie- und Wasserversorger, Transportunternehmen, Spitäler sowie Verwaltungen von Kantonen und Gemeinden – Cyberangriffe innert 24 Stunden nach Entdeckung dem BACS melden. Seit dem 1. Oktober 2025 drohen bei Verstössen Bussen bis CHF 100'000.

BACS: Informationen zur Meldepflicht

Bussen bis CHF 250'000 – persönlich

Das revidierte Datenschutzgesetz (in Kraft seit 1. September 2023) sieht bei vorsätzlicher Verletzung von Informations-, Auskunfts- und Sorgfaltspflichten Bussen bis CHF 250'000 vor – anders als die DSGVO gegen die verantwortlichen natürlichen Personen, nicht gegen das Unternehmen. Verletzungen der Datensicherheit mit hohem Risiko sind dem EDÖB so rasch als möglich zu melden (Art. 24 DSG).

Fedlex: Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), SR 235.1

Die Sorgfaltspflicht wird konkret

Art. 8 DSG verpflichtet Verantwortliche zu «angemessener» Datensicherheit nach dem Stand der Technik. Was angemessen ist, misst sich zunehmend am Nachweis: Wer nie geprüft hat, kann ihn nicht erbringen.

Fedlex: Art. 8 DSG – Datensicherheit

Keine Rechtsberatung. Für die Einordnung Ihrer konkreten Pflichten arbeiten wir mit spezialisierten Kanzleien zusammen – oder mit Ihrer.

Was heisst das für Ihre Organisation?

Die Komplett-Prüfung zeigt in 5–10 Arbeitstage, welche dieser Einstiege bei Ihnen offen stehen – und wie Sie sie schliessen.