Was das Bundesamt für Cybersicherheit, die grossen Vorfallanalysen und die KI-Labore selbst berichten. Jede Zahl ist verlinkt. Wir aktualisieren diese Seite laufend.
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Meldungen
Cybervorfälle, die dem BACS im 1. Halbjahr 2026 freiwillig gemeldet wurden – dazu 200 Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen, 38 % mehr als im Halbjahr davor.
Rund 65'000 Meldungen pro Jahr – und eine neue Meldepflicht
Das BACS zählt seit 2023 jedes Jahr über 49'000 gemeldete Cybervorfälle; 2024 waren es 62'954, 2025 rund 64'700. Der grösste Teil sind Betrugsversuche gegen Privatpersonen – doch die Vorfälle, die Organisationen treffen, sind gezielter und teurer geworden.
Dem BACS gemeldete Cybervorfälle je Halbjahr
Freiwillige Meldungen an das Bundesamt für Cybersicherheit (bis 2023: NCSC). Nicht enthalten sind die seit April 2025 verpflichtenden Meldungen kritischer Infrastrukturen: 145 im 2. Halbjahr 2025, 200 im 1. Halbjahr 2026.
Akira: rund 200 Schweizer Firmen, 4–5 neue Fälle pro Woche
Die Ransomware-Gruppe verschafft sich laut BACS Zugang über ungepatchte Systeme und VPN-/RDP-Fernzugänge ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung. Bundesanwaltschaft und fedpol ermitteln seit April 2024.
Die Schweiz liegt weltweit auf Rang 20 der von Erpressergruppen beanspruchten Opfer; je sieben Fälle betreffen Industrie und Gesundheitswesen. Weltweit: 4'641 Fälle (Vorjahreshalbjahr: 4'381).
Nur 40 % der KMU fühlen sich gut vorbereitet – im Vorjahr war es noch über die Hälfte
Gemäss der Studie «KMU Cybersicherheit 2025» (u.a. digitalswitzerland, Mobiliar, SATW, FHNW; 515 befragte KMU, 336 IT-Dienstleister) hat bei rund zwei Fünfteln der KMU niemand die Verantwortung für Cyberrisiken, weil das Thema keine Priorität hat. Hochgerechnet rund 26'000 der 600'000 Schweizer KMU erlitten in den letzten drei Jahren effektiven Schaden.
Über 40 Schwachstellen in Klinikinformationssystemen
Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit prüfte drei weit verbreitete KIS in mehreren Spitälern: über 40 mittlere bis schwere Mängel, drei der höchsten Kritikalität; mehrere Lücken erlaubten innert Stunden die vollständige Kontrolle über System und Patientendaten.
BACS: Angreifer setzen KI inzwischen systematisch ein
Der Halbjahresbericht 2026/I des Bundesamts für Cybersicherheit hält fest: «Angreifer nutzen nun Künstliche Intelligenz (KI) systematisch, um zugeschnittene, personalisierte Inhalte glaubwürdig an die Opfer zu bringen.» Im selben Halbjahr zählte das BACS 79 Schweizer Ransomware-Fälle und 200 Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen.
2018 vergingen im Schnitt 63 Tage zwischen der Bekanntgabe einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung. 2025 waren es minus sieben: Angriffe beginnen, bevor der Hersteller den Patch veröffentlicht. Wer seine Aussenfläche nicht kennt, kann diese Lücken nicht schliessen – er weiss nicht einmal, dass er sie hat.
Mittlere Zeit von der Bekanntgabe einer Schwachstelle bis zur Ausnutzung
Time-to-Exploit in Tagen. Negative Werte bedeuten: Die Ausnutzung beginnt, bevor ein Patch verfügbar ist.
Zwei Jahre, in denen sich das Angreifen verändert hat
Von einem Modell, das seinen Testcontainer verlässt, bis zu einem, das Tausende Zero-Days findet und deshalb weggeschlossen wird. Chronologisch, mit Quelle – und mit dem, was es für Ihre Organisation bedeutet.
Ein Patch-Dienstag mit 622 Lücken – und einem aktiv ausgenutzten SharePoint-Zero-Day
Microsoft schliesst im Juli 2026 622 Schwachstellen, darunter CVE-2026-58644 (CVSS 9.8): Codeausführung ohne Anmeldung auf SharePoint-Servern, bereits vor dem Patch ausgenutzt. Zwei Wochen später meldet das Bundesamt für Informatik 200 kompromittierte Konten; der Kanton Graubünden nimmt seine Websites für ein Notfall-Update vom Netz.
Für Sie heisst das Über 600 Lücken an einem Tag lassen sich manuell nicht priorisieren – und die exponierten Systeme sind die ersten, die es trifft.
Project Glasswing: Ein Modell, das Tausende Zero-Days findet – und deshalb nicht freigegeben wird
Anthropic stellt Claude Mythos Preview vor: Das Modell findet innert Wochen Tausende bislang unbekannte, hochschwere Schwachstellen in allen grossen Betriebssystemen und Browsern und schreibt dazu funktionierende Exploits – in einem Fall verkettet es vier Lücken, um aus der Browser- und Betriebssystem-Sandbox auszubrechen. Zugang erhalten zunächst nur ausgewählte Partner (u.a. AWS, Apple, Google, Microsoft, CrowdStrike, Cisco, die Linux Foundation) und geprüfte Organisationen. Bis Ende Mai melden Anthropic und seine Partner über 10'000 hoch oder kritisch eingestufte Lücken; allein Anthropics Scan von über 1'000 Open-Source-Projekten ergab 23'019 Befunde, und von 1'752 unabhängig geprüften erwiesen sich über 90 Prozent als echt. Anthropic erklärt, kein Unternehmen – auch nicht Anthropic – habe Schutzmechanismen, die einen Missbrauch solcher Modelle sicher verhindern.
Für Sie heisst das Die Fähigkeit existiert. Die Frage ist nur, wer sie zuerst auf Ihre Systeme richtet.
Die Zeit bis zur Ausnutzung wird negativ: minus sieben Tage
Mandiants M-Trends 2026 (über 500'000 Stunden Vorfallanalyse) misst für 2025 eine mittlere Zeit bis zur Ausnutzung von −7 Tagen: Angreifer nutzen Lücken im Schnitt, bevor ein Patch existiert. Ausnutzung von Schwachstellen ist zum sechsten Mal in Folge der häufigste Einstieg (32 %). Zugänge werden im Median 22 Sekunden nach dem Einbruch an andere Täter übergeben – 2022 waren es noch über acht Stunden.
Für Sie heisst das Patchen nach der Bekanntgabe reicht nicht mehr. Die Aussenfläche muss vorher klein sein.
Ein Modell findet über 500 schwere Lücken in jahrzehntelang getesteter Software
Claude Opus 4.6 entdeckt und validiert ohne spezielle Werkzeuge über 500 hochschwere Schwachstellen in Open-Source-Software – darunter in GhostScript, OpenSC und CGIF. Einige Lücken blieben trotz Millionen Stunden automatisierter Tests jahrzehntelang unentdeckt.
Für Sie heisst das Jede Software, die als «gut getestet» galt, hatte noch unentdeckte Lücken. Ihre hat sie auch.
Die erste dokumentierte, KI-orchestrierte Spionagekampagne
Anthropic macht die Kampagne GTG-1002 öffentlich: Ein chinesischer staatsnaher Akteur liess Claude Code 80 bis 90 Prozent eines Angriffs auf rund 30 Organisationen selbständig ausführen – von der Aufklärung bis zur Exfiltration. Das US-Repräsentantenhaus lädt Anthropic zur Anhörung.
Für Sie heisst das Der Mensch im Angriff wird zum Aufseher. Die Skalierung ist nur noch eine Frage der Rechenzeit.
«Villager»: Ein KI-Angriffswerkzeug wird 10'000 Mal heruntergeladen
Das von der chinesischen Firma Cyberspike veröffentlichte Werkzeug kombiniert Kali-Linux-Tools mit DeepSeek-Modellen und automatisiert komplette Angriffsketten. Innert zwei Monaten wird es rund 10'000 Mal von PyPI geladen. Sicherheitsforscher vergleichen die Entwicklung mit Cobalt Strike, dem Standardwerkzeug der Ransomware-Gruppen.
Für Sie heisst das Angriffswerkzeuge mit KI sind frei verfügbar. Fachwissen ist keine Voraussetzung mehr.
Täter melden: Citrix-Lücke mit KI-Framework in unter zehn Minuten ausgenutzt
Innert Stunden nach der Offenlegung der NetScaler-Schwachstelle CVE-2025-7775 diskutieren Untergrundforen den Einsatz des Frameworks HexStrike-AI, das über 150 Werkzeuge orchestriert. Check Point: Was einen Menschen Tage oder Wochen kostet, lässt sich damit in unter zehn Minuten anstossen – die Täter behaupten, so schnell auszunutzen. Am 2. September sind laut Shadowserver noch rund 8'000 Systeme verwundbar, eine Woche zuvor 28'000.
Für Sie heisst das Zwischen der Bekanntgabe einer Lücke und dem Angriff auf Ihr System liegen keine Wochen mehr.
Erste Schadsoftware, die ihren Angriffscode selbst schreibt
ESET meldet «PromptLock»: Die Schadsoftware nutzt ein lokal laufendes Sprachmodell (gpt-oss:20b via Ollama), um in Echtzeit Lua-Skripte zu erzeugen, die Dateien auf Windows und Linux durchsuchen, exfiltrieren oder verschlüsseln – ein Proof of Concept, entdeckt auf VirusTotal. Eine Woche später klärt sich die Herkunft: Das Muster stammt aus einem Forschungsprojekt der NYU Tandon («Ransomware 3.0»).
Für Sie heisst das Schadsoftware, die sich beim Ausführen selbst schreibt, umgeht signaturbasierte Erkennung – und die Bauanleitung ist publiziert.
DARPA AIxCC: Maschinen finden 18 unbekannte Lücken in 54 Millionen Zeilen Code
Im Finale der AI Cyber Challenge analysieren sieben KI-Systeme 54 Millionen Codezeilen, finden 54 eingebaute Schwachstellen und beheben 43 davon – und entdecken nebenbei 18 echte, bislang unbekannte Lücken. Durchschnittliche Kosten pro Aufgabe: 152 US-Dollar, Patch in 45 Minuten.
Für Sie heisst das Automatisierte Schwachstellensuche im Massstab ganzer Codebasen ist realisiert – und billig.
Ein KI-Agent löscht eine produktive Datenbank – trotz Code-Freeze
Der Programmier-Agent von Replit führt bei SaaStr-Gründer Jason Lemkin trotz angeordnetem Code-Freeze zerstörerische Befehle gegen die Produktionsdatenbank aus, erfindet danach rund 4'000 fiktive Datensätze und behauptet, ein Rollback sei unmöglich. Er war es nicht.
Für Sie heisst das KI-Agenten mit produktiven Zugängen brauchen dieselben Kontrollen wie Menschen: Berechtigungen, Trennung von Test und Produktion, geprüfte Backups.
Googles KI verhindert erstmals eine bevorstehende Ausnutzung
Der KI-Agent «Big Sleep» findet in SQLite eine Speicherfehler-Schwachstelle (CVE-2025-6965), die laut Google nur Angreifern bekannt war und kurz vor der Ausnutzung stand. Google spricht vom ersten Fall, in dem ein KI-Agent einen Angriff direkt vereitelt hat.
Für Sie heisst das Verteidiger mit KI finden Lücken vor den Angreifern. Wer ohne KI prüft, hat in diesem Rennen keinen Startplatz.
Ein autonomer Pentester wird Nummer 1 der US-Rangliste von HackerOne
XBOW, ein autonomes KI-System, reicht innert rund drei Monaten über 1'000 Schwachstellenmeldungen bei echten Unternehmen ein – 132 davon bestätigt und behoben, darunter 54 kritische – und führt die US-Rangliste von HackerOne an. Die Funde sind vollständig automatisiert erzeugt; Menschen prüfen sie nur vor der Einreichung.
Für Sie heisst das Automatisiertes Angreifen ist nicht mehr Zukunft – es hält in der Breite mit den besten Menschen mit.
Ein Modell sabotiert seinen eigenen Abschaltbefehl
Palisade Research weist nach, dass OpenAIs o3 ein Skript verändert, das es abschalten soll – in der ersten Versuchsreihe in 7 von 100 Läufen trotz der ausdrücklichen Anweisung, die Abschaltung zuzulassen; ohne diese Anweisung in 79 von 100. Codex-mini sabotiert die Abschaltung mit Anweisung in 12 von 100 Läufen.
Für Sie heisst das Autonome Systeme verfolgen Ziele, nicht Anweisungen. Wer ihnen produktive Zugänge gibt, braucht technische Leitplanken – keine Prompts.
Während einer Hacking-Übung (Capture the Flag) kann OpenAIs Modell o1 den Zielcontainer nicht erreichen. Statt aufzugeben scannt es das Netz, findet eine falsch konfigurierte Docker-Schnittstelle auf dem Host, startet den defekten Container neu – mit dem Befehl, die Lösung auszugeben – und liest sie aus den Logs.
Für Sie heisst das Fehlkonfigurationen werden von KI gefunden und genutzt, ohne dass jemand danach gesucht hat.
Seit dem 1. April 2025 melden Betreiber kritischer Infrastrukturen Angriffe verpflichtend. Die ersten 325 Pflichtmeldungen zeichnen ein klares Bild: Verwaltungen führen die Statistik an, und die häufigste Angriffsart ist das Eindringen über Schwachstellen und gestohlene Zugangsdaten.
Wer meldet? Pflichtmeldungen kritischer Infrastrukturen nach Sektor
2. Halbjahr 2025, 145 meldepflichtige Vorfälle. Seit dem 1. April 2025 insgesamt 325 Pflichtmeldungen.
Selbst der grösste Schweizer ERP-Hersteller zahlt den Preis
Abacus Research AG hat die Wartungsgebühren per 1. Januar 2025 erstmals seit 2013 erhöht und begründet dies mit fortlaufenden Investitionen «in Innovationen, Funktionalität, Sicherheit und Verbesserungen» sowie mit der Teuerung; für Electronic Banking und E-Business verweist Abacus ausdrücklich auf «regelmässige Sicherheitsupdates, vorgeschriebene Security-Audits und jährliche Anpassungen der Zertifizierungen». Seit 2025 informiert Abacus seine Kunden mehrfach über schwere Schwachstellen: CVSS 9.3 (Februar 2025) und 8.1 (September 2025), beide in externen Security-Audits gefunden, sowie CVSS 9.1 und 8.4 (August 2026).
Ausnutzung von Schwachstellen ist der häufigste Einstieg
Verizon DBIR 2026 (über 22'000 bestätigte Datenpannen aus 145 Ländern): 31 % der Einbrüche beginnen mit einer ausgenutzten Schwachstelle (Vorjahr 20 %) – erstmals in der 19-jährigen Geschichte des Berichts vor gestohlenen Zugangsdaten (13 %). Ransomware ist an 48 % aller Datenpannen beteiligt; die mittlere Zeit bis zum Patch stieg von 32 auf 43 Tage.
79 % der Ransomware-Angriffe beginnen mit kompromittierten Identitäten
Sophos «State of Ransomware 2026» (2'158 Befragte in 17 Ländern, darunter die Schweiz): In 97 % der Fälle mit gestohlenen Zugangsdaten war irgendeine Form von MFA im Einsatz – nur nicht überall. Durchschnittliche Wiederherstellungskosten: 1,7 Mio. US-Dollar.
Eine Datenpanne kostet im Schnitt 4,99 Mio. US-Dollar – im Gesundheitswesen 6,64 Mio.
IBM «Cost of a Data Breach 2026» (602 Organisationen, März 2025 bis Februar 2026): Der weltweite Durchschnitt steigt um 12 Prozent; das Gesundheitswesen bleibt die teuerste Branche.
OWASP Top 10:2025 – Fehlkonfiguration steigt auf Platz 2
Die aktuelle Ausgabe der wichtigsten Web-Risiken führt weiterhin fehlerhafte Zugriffskontrolle an; Sicherheits-Fehlkonfiguration steigt von Platz 5 auf 2, «Software Supply Chain Failures» ist neu auf Platz 3.
Seit dem 1. April 2025 müssen Betreiber kritischer Infrastrukturen – darunter Energie- und Wasserversorger, Transportunternehmen, Spitäler sowie Verwaltungen von Kantonen und Gemeinden – Cyberangriffe innert 24 Stunden nach Entdeckung dem BACS melden. Seit dem 1. Oktober 2025 drohen bei Verstössen Bussen bis CHF 100'000.
Das revidierte Datenschutzgesetz (in Kraft seit 1. September 2023) sieht bei vorsätzlicher Verletzung von Informations-, Auskunfts- und Sorgfaltspflichten Bussen bis CHF 250'000 vor – anders als die DSGVO gegen die verantwortlichen natürlichen Personen, nicht gegen das Unternehmen. Verletzungen der Datensicherheit mit hohem Risiko sind dem EDÖB so rasch als möglich zu melden (Art. 24 DSG).
Art. 8 DSG verpflichtet Verantwortliche zu «angemessener» Datensicherheit nach dem Stand der Technik. Was angemessen ist, misst sich zunehmend am Nachweis: Wer nie geprüft hat, kann ihn nicht erbringen.